Im Interview mit dem Onlinemagazin „Klimareporter“ erläutert die Umweltökonomin Dr. Alexandra Dehnhardt vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), wie im Projekt LauTra eine regionale Faserstoffwirtschaft in der sächsischen Lausitz entstehen kann und warum der Zeitdruck beim Strukturwandel heute höher ist als noch vor zehn Jahren.„Die Lausitz steht unter erheblichem Zugzwang, jetzt neue krisenfeste Wertschöpfungsketten aufzubauen, bevor Industriestrukturen endgültig wegbrechen“, sagt Dehnhardt, die das Projekt LauTra leitet, im Interview mit Klimareporter-Redakteur Jörg Staude.
Nachhaltige Faserwirtschaft durch Kreislaufführung
Naturfasern wie Hanf und Flachs sind allerdings nicht per se nachhaltig, betont Dehnhardt. Intensive Monokulturen mit hohem Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz belasten Böden und Grundwasser. Auch Ernte und Faseraufschluss brauchen viel Wasser und Energie, und der Anbau konkurriert mit der Nahrungsmittelproduktion um Ackerland.
Das Forschungsprojekt LauTra, das das IÖW gemeinsam mit der Hochschule Zittau/Görlitz durchführt, setzt deshalb auf Kreislaufführung: „Die Naturfasern sollen in der Lausitz nicht nur angebaut, sondern auch verarbeitet, genutzt und am Ende wieder recycelt werden. Dieser Kreislauf ist ein wesentlicher Baustein von Nachhaltigkeit“, erklärt Dehnhardt. Der Fokus liegt auf industriellen Anwendungen, etwa in Verbundwerkstoffen, Spezialpapieren oder Verpackungen, weniger auf Textilien. Anknüpfen kann das Projekt an die historische Textiltradition der Region und an das bestehende Akteursnetzwerk Lander3.
Um die Lücke früherer Vorhaben wie der Bioenergieregion Lausitz zu schließen, betrachtet LauTra die gesamte Wertschöpfungskette und bindet Akteurinnen von der Erzeugung bis zur Nutzung ein. Eine Stoffstromanalyse soll das Anbaupotenzial, die nötigen Verarbeitungskapazitäten und geeignete Akteurinnen aufzeigen. Entscheidend ist, so Dehnhardt, dass es in der Region Abnehmer gibt.




