Von der Pflanze zum Werkstoff
Damit die Fasern aus Pflanzen oder Reststoffen zu einem fertigen Produkt werden können, durchlaufen die Rohstoffe mehrere Schritte: Sie werden angebaut und geerntet bzw. gesammelt. Die Ausgangsmaterialien werden aufbereitet und die Fasern getrennt. Im Zuge der eigentlichen Verarbeitung entstehen etwa Bauteile für die Automobilindustrie, Dämmstoffe für den Bausektor oder Verpackungen für verschiedene Produkte. Jeder dieser Schritte erfordert passende Technik und Unternehmen, die sie umsetzen.
Bildquellen: Richard Harnisch, IÖW
Zirkuläre Nutzung
Rohstoffe zirkulär – also in einem Kreislauf – zu verwenden, bedeutet: Sie werden nicht einmalig verbraucht, sondern am Ende ihrer Lebensdauer recycelt. Reste aus der Verarbeitung werden in anderen Arbeitsschritten weiterverwendet. Wie solche Kreisläufe für die Faserpflanzen und ihre Produkte in der Lausitz aussehen könnten, ist Teil der Untersuchungen im Projekt LauTra.
Folgendes Schema zeigt eine mögliche zirkuläre Nutzung des Rohstoffes Miscanthus:

Abbildung: Mögliche zirkuläre Nutzungspfade von Miscanthus im Projekt LauTra
Quelle: Eigene Darstellung
Am Beispiel von Miscanthus lässt sich das Prinzip gut nachvollziehen. Die Pflanze wächst als mehrjährige Dauerkultur bis zu 20 Jahre lang auf derselben Fläche, kommt ab dem dritten Jahr ohne Düngung und Pflanzenschutz aus und wird jährlich trocken geerntet. Der geerntete Miscanthus-Häcksel durchläuft anschließend drei aufeinanderfolgende Nutzungsstufen, sogenannte Kaskaden:
In der 1. Kaskade wird das Material zu Bauprodukten verarbeitet, etwa zu gepressten Platten. Beim Plattenpressen ist die Wahl des Bindemittels entscheidend: Es muss einerseits qualitativ hochwertige, tragfähige Platten ergeben, darf andererseits die spätere Kreislauffähigkeit aber nicht blockieren – das Material muss am Ende dieser Nutzung noch als Einstreu (2. Kaskade) und danach als Pflanzenkohlesubstrat (3. Kaskade) weiterverwendbar bleiben.
In der 2. Kaskade wird das Material, wenn es als Bauprodukt ausgedient hat, landwirtschaftlich weitergenutzt, zum Beispiel als Einstreu oder Futterzusatz.
In der 3. Kaskade, wenn auch die landwirtschaftliche Nutzung ausgeschöpft ist, wird das verbleibende Material energetisch verwertet oder zu Pflanzenkohle verarbeitet, die als Dünger wieder auf die Anbauflächen zurückgeführt werden kann.
Diese stufenweise Weiterverwendung – von der hochwertigsten bis zur letzten möglichen Nutzung – nennt man kaskadische Verwertung: Jedes Material bleibt so lange und auf möglichst hohem Wertschöpfungsniveau im Kreislauf, bevor es das System endgültig verlässt. Die Erfahrungen aus Verarbeitung und Marktentwicklung fließen dabei zurück in die Produktgestaltung, damit neue Produkte von vornherein langlebiger, besser recycelbar und mit kreislauffähigen Bindemitteln hergestellt werden.









